Mit Pfandflaschen sammeln Geld verdienen?

Als Kinder waren viele von uns zum Pfandflaschen sammeln unterwegs, um sich das Taschengeld aufzubessern. Heute sieht man professionelle Pfandsammler mit Säcken bewaffnet auf Festivals und größeren Events. Bares Geld liegt unter Parkbänken oder in Mülleimern versteckt. Doch ist Flaschen sammeln überhaupt legal und wie viel Geld kann der Job einbringen?

Mit Pfandflaschen sammeln Geld verdienen
Mit Pfandflaschen sammeln Geld verdienen – © curtbauer / stock.adobe.com

Kann man wirklich mit Flaschen sammeln Geld verdienen?

Pfandsammler sind aus unterschiedlichen Gründen unterwegs. Die Aufbesserung von Hartz IV, Rente oder Niedriglöhnen zählen zu den häufigsten Beweggründen, sich auf die Suche nach Flaschen, die andere Passanten achtlos weggeworfen haben zu machen.

Für Geringverdiener ist Flaschensammeln zu einem notwendigen Nebenerwerb geworden. Nicht wenige unter ihnen sichern damit ihre Existenz. Ein Vorteil ist, dass sofort Bargeld fließen kann, wenn genügend Flaschen zusammengekommen sind. Dies ist für Menschen mit negativem Kontostand überlebenswichtig. Auch die Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit und Bewegung an frischer Luft können Menschen zu Flaschensammlern werden lassen.

Bei der Frage, ob sich Flaschen sammeln finanziell lohnen kann, werfen wir zunächst einen Blick auf die verschiedenen Arten von Flaschen und deren Vergütung.

Große Flaschen mit einem Inhalt von mehr als drei Litern sind pfandfrei. Wer leere Pfandkisten findet, kann dafür in kleiner Ausführung 75 Cent erhalten. Für normale Pfandkisten werden 1,50 Euro zurückerstattet.

Mit der nötigen Ausdauer und dem Aufsuchen geeigneter Örtlichkeiten lässt sich mit Flaschen sammeln durchaus ein kleines, regelmäßiges Nebengewerbe aufbauen. Vom Flaschen sammeln leben können allerdings die wenigsten.

Müssen Flaschensammler Steuern zahlen?

Grundsätzlich sind alle Einnahmen steuerfrei, welche den jährlichen Grundfreibetrag von 9.984 Euro (2022) nicht übersteigen. Liegen die Einkünfte aus dem Flaschenpfand unter dieser Summe und bestehen ansonsten keine weiteren Einnahmen, bleibt die Tätigkeit steuerfrei.

Tipp: Um den angegebenen Freibetrag zu überschreiten, müssten insgesamt 39.936 PET-Flaschen pro Jahr gesammelt werden. Dies entspricht einer täglichen Ausbeute von etwa 110 Flaschen mit 25 Cent Pfand. Bei Bierflaschen müssten sogar knapp 342 pro Tag gesammelt werden.

Wird aufgrund weiterer Einkünfte der Grundfreibetrag überschritten, bleibt das Flaschensammeln weiterhin steuerfrei, wenn pro Jahr weniger als 256 Euro eingenommen werden.

Ist Flaschen sammeln ein Beruf?

Rechtlich gesehen ist Flaschen sammeln kein anerkannter Beruf. Das Sammeln von Flaschen wird den „sonstigen Einkünften“ angerechnet, nachzulesen im Einkommenssteuergesetz (EStG, § 22 Nr.3). Damit werden Pfandsammler vor dem Gesetz mit den Einnahmen aus Renten, Privatverkäufen oder Unterhalt gleichgesetzt.

Wo lohnt sich das Flaschen sammeln?

Wer damit beginnt, Flaschen zu sammeln, wird schnell herausfinden, wo sich in seiner Stadt die bevorzugten Plätze dafür finden lassen. Eine belebte Innenstadt ist an einem warmen Sommertag ein lukrativer Ort, um fündig zu werden.

Generell gelten folgende Örtlichkeiten unter Flaschensammlern als begehrt:

  • Parks
  • Grünanlagen
  • Wanderwege
  • Rastplätze
  • Badeseen
  • Großveranstaltungen
  • Open-Air-Konzerte
  • Fußballspiele

Parks und Grünanlagen sind im Sommer meist überlaufen und niemand kommt ohne ein erfrischendes Getränk aus. Die meisten Pfandflaschen werden nicht achtlos weggeworfen, sondern in den dafür vorgesehenen Behältnissen entsorgt. Flaschensammler dürfen daher keine Scheu besitzen. Es ist unumgänglich, in Abfallbehältern und Mülltonen auf die Suche nach Flaschen zu gehen.

Rastplätze entlang der Wanderwege, sowie Spielplätze und Badeseen sind an warmen Tagen ebenfalls stark frequentiert. Großveranstaltungen ziehen Flaschensammler magisch an. Hier lassen sich definitiv die meisten Einnahmen erzielen. Auf Konzerten und Festivals wird viel getrunken. Die Wahrscheinlichkeit, dass Pfandflaschen achtlos liegengelassen werden ist hoch. Wer sich hier mit einem Müllsack bewaffnet, wird schnell fündig und kann dutzende Flaschen sammeln.

Wer mit dem Sammeln von Flaschen wirklich Geld verdienen möchte, darf nichts dem Zufall überlassen. Einfach ziellos in der Stadt unterwegs zu sein, wird nur wenig Erfolge versprechen. Daher macht es Sinn, die Route sorgfältig zu planen, einige der genannten „Hotspots“ mit einzubinden und auch eine Annahmestelle anzusteuern. Dann können die Flaschen sofort abgeliefert werden und man wird mit Bargeld belohnt.

Wie viel Geld lässt sich mit Flaschen sammeln einnehmen?

Den Verdienst für das Sammeln von Flaschen haben wir bereits genannt. Jeder kann sich selbst ausrechnen, dass einiges an Arbeit notwendig sein wird, um ein passables Einkommen zu erzielen.

Dennoch sind dem Flaschen sammeln keine Grenzen gesetzt. Dies beweist ein Australier, welchem es gelang, innerhalb einer Nacht stolze 3.000 Euro mit Pfandflaschen zu verdienen.

Im Normalfall wird das Sammeln von Leergut in Deutschland niemand reich machen. Flaschensammler, die täglich ihre Runde durch die belebte Innenstadt machen, winken monatlich etwa 100 bis 150 Euro.

Damit ist ein kleiner Nebenverdienst gesichert. Viele Rentner oder Sozialhilfeempfänger schaffen sich durch das Flaschensammeln eine sinnvolle Aufgabe, die an eine reguläre Arbeit erinnert. Dies bewahrt nicht wenige Menschen vor Einsamkeit und sozialer Isolation. Gutes Geld verdienen lässt sich mit Flaschen sammeln auf Konzerten und Festivals. Während eines Abends können 300 bis 500 Euro zusammenkommen. Der Job ist ideal für junge Leute, die sich damit ihr Studium oder ihren ersten eigenen Urlaub finanzieren. Ältere und Bedürftige sieht man auf viel besuchten Events bei dieser Tätigkeit eher selten.

Nehmen Supermärkte die gesammelten Flaschen ohne Einschränkungen ab?

In der Regel gibt es keine Einschränkungen und die Flaschen können in den Rückgabeautomaten der Supermärkte abgegeben werden. Da in den meisten Märkten nur ein Automat zur Verfügung steht, kann es zu einem längeren Rückstau führen, wenn der Automat mit hunderten Flaschen beladen wird.

Tipp: Wer bei einem Event große Mengen an Flaschen gesammelt hat, sollte den lokalen Supermarkt vorab kontaktieren. Meist lässt sich die Rücknahme separat vereinbaren.